Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen Bericht veröffentlicht, der es in sich hat: Demnach erkranken jedes Jahr rund 20,6 Millionen Menschen auf dem Globus neu an Krebs. Die Tendenz ist steigend: Bis 2050 könnten es fast 35 Millionen sein. Doch machtlos ist die internationale Gemeinschaft nicht.

Die Fakten

  • Weltweit gibt es geschätzte 20,6 Millionen Krebs-Neuerkrankungen pro Jahr. Die WHO fürchtet einen Anstieg auf fast 35 Millionen bis 2050.
  • Fast 10 Millionen Todesfälle auf dem Globus gehen jedes Jahr auf Krebs zurück.
  • Die Krebslast unterscheidet sich deutlich zwischen den Weltregionen. Europas Krebslast ist überproportional hoch: 9 % der Weltbevölkerung tragen 21 % aller Neuerkrankungen und 20 % aller Todesfälle. Viele Länder Afrikas und Teile
    Im Kampf gegen Krebs tut sich einiges.

    Asiens weisen zwar geringere Erkrankungsraten auf, aber eine vergleichsweise hohe Sterblichkeit.

Krebs geht alle etwas an. Denn die allermeisten Menschen auf dem Globus werden im Laufe ihres Lebens damit konfrontiert sein, dass sie selbst oder nahe Familienmitglieder eine Diagnose erhalten. Die Folgen gehen weit über die physische Gesundheit hinaus. Krebs zählt „zu den finanziell und gesellschaftlich gravierendsten Herausforderungen, die ein Haushalt erleben kann“, schreibt die WHO in einer Pressemitteilung. Sie hat dazu Betroffene befragt: „Mindestens 45 Prozent geraten durch die Erkrankung in finanzielle Schwierigkeiten, mehr als die Hälfte berichtet von psychischen Problemen und nahezu alle pflegenden Angehörigen erleben erhebliche Belastungen – unter anderem durch unbezahlte Pflegearbeit und soziale Isolation.“ Clarissa Schilstra hat die WHO-Befragung mitgeleitet; sie war als Kind erkrankt und weiß daher aus eigener Erfahrung: „Krebs ist nicht nur eine medizinische Diagnose – die Erkrankung verändert jeden Bereich des Lebens eines Menschen und seiner Familie tiefgreifend und dauerhaft“.

Doch im Kampf gegen Krebs tut sich einiges. Ein paar Beispiel aus dem „WHO Global Status Report on Cancer 2026“, der mit der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) erarbeitet wurde:

  • Seit 2010 ist der Tabakkonsum um 27 Prozent zurückgegangen. „Dies hat in einigen Regionen zu weniger Lungenkrebsfällen und Todesfällen beigetragen“, heißt es.
  • Auch gebe es einen Abwärtstrend bei infektionsbedingten Krebsarten: „dank höherer Impfquoten, Verbesserungen bei Wasser-, Sanitär- und Hygienestandards (WASH) sowie bei Infektionsprävention und -kontrolle.“
  • Die WHO sieht zudem einen stärkeren politischen Willen: 82 Prozent der 186 untersuchten Länder „verfügen inzwischen über nationale Krebsbekämpfungsprogramme – 2010 waren es nur 50 Prozent.“
  • Großes Potenzial hat die Früherkennung: Gerade in Ländern mit hohem Einkommen werden so beispielsweise viele Brustkrebserkrankungen entdeckt.
  • Gleichzeitig ist die Onkologie Zeuge eines Innovationsbooms. Die Zahl registrierter klinischer Studien stieg zwischen 2005 und 2021 jährlich um durchschnittlich 7,3 Prozent.

Krebslast trifft Weltregionen sehr unterschiedlich

Soziale Ungleichheit bei Krebs: Es trifft Weltregionen sehr unterschiedlich.

Und trotzdem: Noch immer ist Krebs die zweithäufigste Todesursache weltweit – nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 9,7 Millionen Todesfälle pro Jahr: Das sind über 26.000 pro Tag, rund 1.100 pro Stunde, 18 pro Minute oder einer etwa alle drei Sekunden. Aber die Weltregionen sind von solchen Schicksalsschlägen sehr unterschiedlich stark betroffen.

Die Hälfte aller Krebsneuerkrankungen (50,7 %) und Krebstodesfälle (56,5 %) entfällt auf Asien – „das spiegelt die große Bevölkerungszahl wider“, so die WHO. Europas Krebslast sei „überproportional hoch“: Hier leben nur neun Prozent der Weltbevölkerung, doch es entfallen 21 Prozent aller Neuerkrankungen und 20 Prozent aller Todesfälle auf diesen Kontinent. Und für viele Länder Afrikas und Teile Asiens gilt: Sie weisen zwar „geringere Erkrankungsraten auf, zugleich aber eine überproportional hohe Sterblichkeit.“

Krebslast reduzieren: Was ist zu tun?

Prävention müsse – gerade vor dem Hintergrund steigender Raten von Adipositas, Bewegungsmangel, ungesunder Ernährung und Luftverschmutzung – weiterhin „politische Priorität haben“, sagt IARC-Direktorin Dr. Elisabete Weiderpass. Aber damit allein ist es nicht getan. Aus dem WHO-Bericht geht hervor: Wie gut die Menschen weltweit Zugang zu Prävention, Diagnose, Behandlung und Pflege bekommen, hängt sehr davon ab, wo sie leben. „Millionen Menschen erhalten dadurch nicht die Versorgung, die sie benötigen“, kritisiert die WHO. „So überleben in Ländern mit hohem Einkommen 87 Prozent der Frauen mit Brustkrebs mindestens fünf Jahre nach der Diagnose, in Ländern mit niedrigem Einkommen dagegen nur rund 42 Prozent. Weniger als jedes dritte Land hat die Krebsversorgung bislang in seine Leistungen der allgemeinen Gesundheitsversorgung aufgenommen.“

Es ist viel zu tun. Der Bericht enthält sieben konkrete Handlungsempfehlungen und ruft Regierungen, internationale Organisationen, Zivilgesellschaft, wissenschaftliche Einrichtungen, den Privatsektor und die WHO dazu auf, „gemeinsam einen menschenzentrierten und ganzheitlichen Ansatz für die Versorgung von Menschen mit Krebs und ihren Familien umzusetzen“. Mehr Investitionen in „qualifiziertes Personal für Prävention und Behandlung“, bessere soziale Absicherung der Patient:innen und ihrer Angehörigen, konsequente Ausrichtung von Forschung und Innovation am Bedarf der öffentlichen Gesundheit (gerade auch mit Blick auf ärmere Länder): Die To-Do-Liste ist lang. Aber, um es mit den Worten von WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus zu sagen: „Ob ein Mensch Krebs überlebt, darf […] niemals davon abhängen, wo er geboren wurde oder wie viel er verdient“.

Quelle: https://pharma-fakten.de